Infektionen verhindern durch steriles Arbeiten

Erfahren Sie in diesem Blogartikel was steriles Arbeiten bedeutet, welche Prozesse hinter der Herstellung steriler Medizinprodukte stehen und was Sie im Umgang mit sterilen Medizinprodukten beachten sollten. 

Warum ist steriles Arbeiten wichtig?

Steriles Arbeiten ist bei der täglichen Arbeit in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen unerlässlich, um Infektionen von Patienten durch das Verschleppen von Keimen und Bakterien zu verhindern.

In Deutschland erleiden rund 3,6 Prozent aller Patienten während ihres Krankenhausaufenthaltes eine Infektion mit Krankenhauskeimen und -bakterien, die sogenannte nosokomiale Infektion. Deutsche Krankenhäuser liegen zwar unter dem EU-Durchschnitt von 5,5 Prozent, dennoch sind die absoluten Zahlen alarmierend! Laut Robert Koch-Institut sind in Deutschland jährlich etwa 400.000 bis 600.000 Patienten von einer Krankenhausinfektion betroffen. Die Zahl der Todesfälle liegt schätzungsweise bei 10.000 bis 20.000 Menschen pro Jahr.*1

Nur mit konsequenten Hygienemaßnahmen tragen Sie dazu bei, die Anzahl dieser Infektionen zu reduzieren.

Sterilgut: Wann ist ein Medizinprodukt steril?

Sterilität bedeutet, dass ein Produkt frei von lebensfähigen Mikroorganismen ist. Die Norm DIN EN 556 definiert ein Medizinprodukt als steril, wenn die theoretische Wahrscheinlichkeit, einen lebensfähigen Keim auf einem Produkt zu finden, kleiner als 1:1.000.000 (SAL 10-6) ist.

Für Ihre tägliche Arbeit bedeutet das: Bei der Patientenversorgung lässt sich das Infektionsrisiko durch konsequente Hygienemaßnahmen minimieren. Dabei ist es egal, ob es sich um einfache Behandlungen oder komplexe Operationen handelt.

Zu den Hygienemaßnahmen zählen: die Desinfektion zur Vermeidung der Keimübertragung, die Auswahl von risikominimierenden Medizinprodukten sowie der Schutz vor erregerhaltigem Material und Menschen.*2

Wie werden Medizinprodukte sterilisiert?

Grundsätzlich haben Krankenhäuser, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen die Wahl:

  • Medizinprodukte, die steril zur Anwendung kommen, in Eigenverantwortung selbst aufzubereiten
  • Medizinprodukte, die steril zur Anwendung kommen, bei externen Dienstleistern aufbereiten zu lassen
  • oder das notwendige Sterilgut bei Herstellern einzukaufen. Grundsätzlich haftet dann der Hersteller für die sterilen Produkte.
Verpackung doppelt steril

Um ein Medizinprodukt zu sterilisieren, werden zwei Dinge benötigt:

  1. Validierte Sterilisationsverfahren: Methoden, um alle lebensfähigen Mikroorganismen auf dem Medizinprodukt abzutöten.
  2. Geeignete Verpackungen: Sogenannte Sterilbarrieresysteme, die das Medizinprodukt nach der Sterilisation vor dem Eindringen von Mikroorganismen schützen. Sterilbarrieresysteme sind in der DIN EN ISO Norm 11607-1 definiert. Darin sind die Mindestvoraussetzungen für die Verpackungen beschrieben.

Der Prozess der Sterilisation umfasst viele einzelne Schritte und erfordert eine sorgfältige Dokumentation. Bei uns wird er mithilfe umfangreicher Qualitätsmanagementprozesse gesteuert und überwacht. Für jede Sterilisationsart gibt es eine eigene Norm, welche die Anforderungen an die Entwicklung, Validierung und Anwendung des Sterilisationsverfahrens vorgibt. Eine Abteilung mit hochqualifizierten Mitarbeitern managt unsere gesamte Dokumentation und alle Kontrollen. Der TÜV-Nord zertifiziert die Vorgänge.

Welche Sterilisationsverfahren nutzt Fuhrmann?

Unsere Medizinprodukte werden je nach Materialbeschaffenheit und Verpackung entweder mit Dampf oder Ethylenoxid sterilisiert. Mullkompressen halten eine Temperatur von 134 Grad Celsius in der Dampfsterilisation problemlos aus. Andere thermolabile Materialien wie Kunststoffschalen würden sich bei dieser Temperatur verformen. Daher ist hier die Sterilisation mit Ethylenoxid geeigneter.

Dampf-Sterilisation bei Fuhrmann

Wie bleiben Medizinprodukte über längere Zeit steril?

Sterilbarrieresysteme, also geeignete Verpackungen, schützen das Medizinprodukt nach der Sterilisation vor dem Eindringen von Mikroorganismen. Wir verwenden unterschiedliche Verpackungen, die abgestimmt sind auf die Art des Produktes und des Sterilisationsverfahrens. Denn nicht jede Art von Verpackung kann mit jedem Sterilisationsverfahren verwendet werden. Jedes der von uns verwendeten Sterilbarrieresysteme ist dazu geeignet, die Sterilität der Produkte lange aufrecht zu halten.

Unsere Verbandstoffe sind bis zu fünf Jahre steril haltbar. Sterile Einmalinstrumente und Behandlungseinheiten sowie die MEINSET OP- und Pflege-Sets sind bis zu drei Jahre verwendbar.

Wie müssen sterile Medizinprodukte gelagert werden?

Lagern Sie das Sterilgut immer sauber, trocken und bei Raumtemperatur. Wichtig: Schützen Sie das sterile Material vor Feuchtigkeit und direkter Sonneneinstrahlung. Aus diesem Grund ist die Lagerung des Sterilguts in Schränken empfehlenswert.

Für Räume, in denen sterile Medizinprodukte gelagert werden, gelten laut DIN 58953-8 spezielle Anforderungen:

  • trocken, kühl, dunkel und leicht zu reinigen
  • dem allgemeinen Verkehr nicht zugänglich

Wie erkennen Sie, ob das Medizinprodukt noch steril ist?

Vor der Anwendung sollten Sie als medizinisches Fachpersonal jedes sterile Medizinprodukt auf eine intakte Verpackung und das Verfallsdatum kontrollieren. Ist das Sterilbarrieresystem beschädigt, bereits geöffnet oder das Verfallsdatum auf der Verpackung überschritten, verwenden Sie das Produkt auf keinen Fall! Es besteht die Gefahr, dass das Medizinprodukt mit Keimen und Bakterien verunreinigt ist.

Studieren Sie das Etikett:

Darauf finden Sie viele wichtige Details zum Produkt!
Das Verfallsdatum finden Sie direkt neben dem Symbol “Sanduhr”, hier orange umrandet:

Liste der verwendeten Symbole

Was sollten Sie bei der Anwendung steriler
Medizinprodukte beachten?

Nur medizinisches und geschultes Fachpersonal darf unsere sterilen Medizinprodukte anwenden! Hygiene ist für eine sichere Patientenversorgung oberstes Gebot, damit es während der Anwendung zu keiner Kontamination kommt.

Steriles Arbeiten: So gehen Sie vor

So gehen Sie beim sterilen Arbeiten richtig vor:

  • Reinigen Sie sich die Hände vor dem Öffnen der Verpackung
  • Öffnen Sie die Verpackung erst unmittelbar vor Benutzung des Sterilguts
  • Ziehen Sie die Verpackung vorsichtig an der Peel-Öffnung auseinander
  • Vermeiden Sie das Durchstoßen oder Aufreißen der Verpackung
  • Während des Öffnens der Verpackung sollten Sie nicht sprechen, husten oder niesen
  • Versuchen Sie keine Staubaufwirbelungen entstehen zu lassen
  • Desinfizieren Sie die Hände und ziehen Sie sterile Handschuhe an, bevor Sie den sterilen Verpackungsinhalt berühren
  • Legen Sie den Inhalt nur auf sterilen Oberflächen ab
  • Trennen Sie steriles von unsterilem Material

Bei Wundversorgungen, Verbandwechsel oder kleinchirurgischen Eingriffen bis zu größeren Operationen benötigen Sie oft eine Vielzahl von sterilen Instrumenten und Produkten. Um das Kontaminationsrisiko beim Öffnen jedes einzelnen Artikels zu reduzieren, empfehlen wir sterile OP- und Pflege-Sets zu verwenden. In jedem dieser Sets finden Sie alle Medizinprodukte, die für eine spezielle Behandlung nötig sind – sicher und steril verpackt. Gleichzeitig sparen Sie so Verpackungsmüll.

Quellen und weitere Informationen über steriles Arbeiten

*1 Die Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts zu diesem Thema können Sie hier nachlesen: https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2019/14_2019.html

*2 Ausführliche Informationen zum Thema nosokomiale Infektionen und deren Prävention finden Sie im Informationsportal des BVmed unter: http://www.krankenhausinfektionen.info